Paulus-Gemeinde
Berlin-Neukölln
aktuell - geistliches Wort
Wasserloser Brunnen im Körnerpark,
Berlin Neukölln. Foto: Mader
An(ge)dacht
Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie
ein nie versiegender Bach. Amos 5,24 (L)
Ob der Brunnen ausgetrocknet, kaputt oder noch nicht angestellt
ist, wäre eine Frage. Hier soll aber angedacht werden, wie der
Wunsch des Propheten Amos verstanden werden kann. Der
trockene Brunnen dient als Hilfe. Ein trockener Brunnen macht
nicht, was er soll, nämlich Wasser haben. Das enttäuscht
einerseits und lässt andererseits hoffen: Vielleicht kommt wieder
Wasser!
Im Kontext zielt unser Vers auf oberflächliche Gottesdienste,
Selbstgerechtigkeit und Ellbogenmentalität. Das passt auch für
unsere Zeit: Wieviel Rechtsbruch und Ungerechtigkeit gibt es
überall! Wie mühen wir uns ab, unser Leben nach geltendem
Recht und in Gerechtigkeit mit den Mitmenschen und der Welt
zu führen! Ja, wenn’s doch so wäre, dass das Recht Geltung hat
und es überall gerecht zu geht!
Bei Christen geht es immer zuerst um Jesus. Was „bringt“ er mit
hinzu? 1. Die Zustände im Tempel zu Jerusalem damals hat er
mit „Räuberhöhle“ bezeichnet: Rückzugsort für Diebe und
Verbrecher. Sind wir bessere Menschen? Die Kritik des Amos gilt
auch uns. 2. Jesus ist unschuldig gestorben. Paulus versteh das
so: „Den hat Gott für den Glauben hingestellt zur Sühne in
seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die
Sünden vergibt, die früher begangen wurden.“ (Röm 5,25)
Gerechtigkeit ist also mehr als nur „Wie du mir, so ich dir“, denn
es geht um die Ehre Gottes. Und Gott hat sie gerettet, indem er
selbst sie durchgesetzt hat: Jesus hat sich nicht auf die Ebene
der Menschen begeben, sondern seine Ideale durchgehalten
trotz Todesgefahr, ja trotz Hinrichtung. Das Recht wurde
gewahrt, die Gerechtigkeit Gottes wurde offenbar.
Für die kommende Trinitatiszeit möge dieses Amos-Wort als
Überschrift stehen: Ist mein Denken, Fühlen, Reden und
Handeln von Jesus geprägt? Vertraue ich auf seine
Rechtsauslegung und Gerechtigkeit? Setze ich alles dafür ein,
dass bei mir reichlich Recht umgesetzt wird und ich für
Gerechtigkeit überall eintrete und mir gleichzeitig Gottes
Gerechtigkeit gewiss bin? Der Heilige Geist ist ausgegossen und
wirkt!
Eben wie Wasser, dass alles tränkt, durch die kleinsten Ritzen
fließt, sich nicht aufhalten lässt. Trotz trockener Brunnen unserer
Tage leben wir durch den Heiligen Geist in der Nachfolge
unseres Erlösers und Herrn, unseres Bruders und Freunds
Jesus Christus und blicken auf zum Vater, der alles hält und
seine Worte wahr werden lässt!
Ihr und Euer Pastor Bernhard Mader
Fürstenwalder Gedanken
Wohlan, kehre um! 1.Könige 19,20
Unser Herr und Heiland ist immer für Überraschungen gut. Dann
und wann einmal unterbricht er unseren gewohnten Tagesablauf
und mutet uns Neues zu. Bei vielen Männern und Frauen der
Kirchengeschichte war es ebenso. Plötzlich muss man das
Vertraute hinter sich lassen. Dann heißt es Abschied nehmen.
„Kehre um!“ heißt: Veränderung ist möglich oder sogar nötig. Ein
neuer Lebensplan deutet sich an.
So oder so ähnlich empfinden das gegenwärtig die
Gemeindeglieder unserer SELK an allerlei Orten. Durch den
sich abzeichnenden Pastorenmangel sind Umstrukturierungen
unumgänglich. Wir dürfen uns Fragen stellen, wie wir denn
bisher mit Pfarrbezirksbildungen umgegangen sind. Das Fazit ist
nicht immer positiv. Wir in Fürstenwalde sind nicht wirklich mit
unseren Geschwistern in Berlin Neukölln zusammengewachsen,
nach dem Bibelvers, wir sollen in Seinem Namen eins sein.
Es ist müßig die Ursachen darin zu suchen, dass wir bezüglich
unserer Geschichte unterschiedlich sozialisiert worden sind.
Nein, wir haben es allesamt, inklusive dem Verfasser dieser
Zeilen, an der nötigen Liebe fehlen lassen und haben gemäß
dem obersten Liebesgebot Christi unser Ziel verfehlt. Und so
wollen wir in uns gehen, es beim nächsten Mal besser zu
machen. Die Chance dazu bietet sich uns jetzt, und so sollten
wir vielleicht ein Stück weit froh sein, dass der Herr mit uns
einen Neuanfang in anderen Konstellationen plant.
Bei uns wäre das eine Fusion mit Berlin-Mitte und später mit
Potsdam. Es geht darum, dass wir bewegliche Menschen
bleiben, wenn Gott etwas mit uns vorhat. Das muss nicht immer
zu umfassenden Abschieden führen. Und was könnten wir als
Gemeinde Besseres finden als die Erfahrung, dass Gott uns
braucht, damit anderen heute und morgen geholfen wird. Seien
wir Licht und Salz der Erde, um den Unterschied zur Gesinnung
der Welt zu machen. Es muss klar und deutlich werden, dass
wir deswegen Christen sind, weil die Liebe uns treibt. Suchen
wir in den Augen unserer „neuen“, aber auch „alten“
Gemeindegeschwister den Glanz der Liebe. Und ist er dort nicht
zu finden, dann ist es an uns, mit gegenseitigen
Liebenswürdigkeiten diesem Glanz den Weg zu bereiten.
Bündeln wir unsere Kräfte, damit wir ein Segen untereinander
und für die Welt sind! Kehren wir um zu dem Gott, der ewiges
Leben und neue Perspektiven schenkt!
Geschwisterliche Grüße aus Fürstenwalde, Andreas Lenz